Heimat in Tüten

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LIDL verkauft keine BIO-Milch mehr, stattdessen zum gleichen Preis seine „Hausmarke“.

In den vergangenen Jahren protestierten die bayerischen Milchbauern lautstark, um faire Preise für ihre Produkte durchzusetzen. Die Bemühungen waren insgesamt wohl weniger erfolgreich, da bei den Discountern ein Liter Frischmilch nach wie vor für unter 50 Cent zu haben ist. Bei diesem Niedrigpreis bleibt nach Abzug der Spannen von Handel und Molkerei nicht viel für den Erzeuger übrig.

Dies sollte 2008 die neu eingeführte Eigenmarke des Miesbacher Molkereivertriebs der Milchproduktenhandel Oberland eG „Bayerischen Bauernmilch“ ändern, die über einen höheren Endkundenpreis einen fairen Milchpreis für den Bauern suggeriert – jedoch keineswegs garantiert. Zusätzlich zur Kuhmilch zum Discountpreis war bei Lidl bis 2009 die „Bauernmilch“ schließlich aber auch bei Real, Tengelmann, Norma erhältlich.

Doch Bayern ist groß, und die Marke mit der gewagten Farbkombination aus petrolgrün und hellblau hat Konkurrenz bekommen: „Ein gutes Stück Heimat“ garantiert aus Bayerischer Bauernmilch ist ab sofort beim ehemaligen Bauernmilch-Händler Lidl erhältlich. Unter der neuen Eigenmarke vertreibt Lidl in professionellen Produktdesign nicht nur Milch sondern auch diverse Milcherzeugnisse wie Butter, Sahne, Quark und verschiedene Käsesorten.

Sämtliche Produkte garantieren „ursprünglichen Genuss“, da nur Milch von bayerischen Kühen von bayerischen Bauern in bayerischen Molkereien verarbeitet werde. Für die Qualität stehe das Zeichen „Geprüfte Qualität“ (GQ) des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das allerdings keineswegs eine Gewähr für zeitgemäße, artgerechte Tierhaltung und selbstverständlich auch nicht für BIO-Qualität darstellt. Eine Anbindehaltung und Tierhaltung ohne Auslauf ist zulässig.

Immerhin bleibt das Argument der Regionalität, wobei ich mich als Nordbayer und Franke schon frage, warum ich mich mit Milchbauern aus Oberbayern näher verbunden fühlen soll, als mit solchen aus Thüringen oder Baden-Württemberg. Der Grund warum ich zukünftig nicht mehr bei Lidl kaufen werde ist vielmehr, dass Lidl mit Einführung dieser Eigenmarke das Sortiment an Bio-Produkten deutlich reduziert: Keine Bio-Milch mehr, keine Bio-Butter etc. Dafür steht an entsprechender Stelle die neue Eigenmarke. Nicht nur der Verkaufsort ist der Gleiche, auch der Preis ist auf Bio-Niveau. Die neue Marke bringt vermutlich den Erzeugern nichts (nirgends auf der Webseite wird eine Preisgarantie oder ähnliches erwähnt), schadet der Verbreitung von Bio-Produkten (da diese aus dem Sortiment gestrichen werden) aber verbessert deutlich den Gewinn von Lidl (mehr Geld für gleiche Produkte in neuer Verpackung). Das GQ-Zeichen ist keine wirkliche Qualitätsaussage wie das Bio-Siegel und rechtfertigt keinen deutlich höheren Preis.

Sind Verbraucher dazu bereit, einen „Bio-Preis“ für „regionale“ Produkte beim Discounter zu bezahlen, wenn bei der Konkurrenz dafür echte Bio-Produkte zu haben sind? Wird ohne die Grundnahrungsmittel Milch und Butter in Bioqualität auch der Absatz anderer Bio-Produkte bei Lidl zurückgehen, da der Bio-Discounter-Kunde in Zukunft woanders einkauft? Wir sind gespannt, ob es Lidl schafft, seine neue Eigenmarke am Markt positionieren zu können.

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Schlagworte: Bio, discounter, Kulinarisches, landwirtschaft, lidl, milch

1 Kommentar

  1. Ralph Lindner 17. Januar 2014 at 21:04 Reply

    Anscheinend waren wir nicht die einzigen Kunden, die Lidl gemieden haben, nachdem dieser sein BIO-Sortiment reduzierte. Wie dem auch sei, im Herbst 2013 entdeckten wir zumindest wieder BIO-Milch im Lidl Kühlregal. IMHO erfreulich!

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