Rebsorten: Der Spätburgunder

Der blaue Spätburgunder

Die Rebsorte, die wir für gewöhnlich als Spätburgunder bezeichnen, sollte korrekterweise als „blauer Spätburgunder“ angesprochen werden.
Unter den Rotweinen ist der Spätburgunder sicher eine der edelsten Rebsorten. In anderen Ländern wird diese Rebe als „Pinot Noir“, „Pinot Nero“ oder „Pinot Tinto“ bezeichnet.

Herkunft und Verbreitung

Die genaue Herkunft der Rebsorte ist nicht endgültig geklärt. Ein erstes dokumentiertes Auftreten ist für das 8. Jhd.n.Chr. in Burgund bekannt. Es ist also ebenso möglich, daß die Rebsorte aus einer Auslese von gesammelten und weiter veredelten Wildreben stammt, wie auch die Möglichkeit einer gezielten Kreuzung damals bereits bekannter Rebsorten nicht ausgeschlossen werden kann.

Vom Burgund aus startete der blaue Spätburgunder dann einen Siegeszug durch die damals bekannten Weinbauregionen Europas.
Bedingt durch jahrhundertewährende, weite Verbreitung gibt es heute sehr viele unterschiedliche Klone bzw. Spielarten des Spätburgunders, so daß von einer ganz und gar einheitlichen Rebsorte nicht mehr gesprochen werden kann.
Überdies sind die Eigenschaften, z.B. in Bezug auf Wüchsigkeit, Tragfähigkeit etc., sehr von der verwendeten Unterlagsrebe abhängig.

Heute wird der Spätburgunder in allen relevanten Weinbauregionen der Welt angebaut, sofern die klimatischen Bedingungen dies zulassen.
Die sicherlich berühmtesten Weine aus der Spätburgunderrebe werden nach wie vor im Burgund erzeugt. Namen wie „Romanee Conti“ oder „Coche Dury“ stehen für grandiose Weine.
Aber auch in Deutschland, Italien, Spanien, Österreich, Portugal finden sich herausragende Gewächse. In der sogenannten „Neuen Welt“ (vor allem Australien, USA, Südafrika, Chile, Neuseeland) finden sich auch Anbauflächen.

Chancen und Risiken

Der deutsche Name „Spätburgunder“ kommt nicht von ungefähr: Die Rebsorte reift spät aus und braucht eine recht ausgedehnte Vegetationsperiode um hervorragende Qualitäten zu bringen.
Diese Eigenschaft beschränkt die Anzahl der in Frage kommenden Anbauflächen. Der Spätburgunder benötigt beste Lagen! Nur dann kann Qualität entstehen.
Der Spätburgunder benötigt während der Vegetation warme Tage, eine moderate Abkühlung während der Nacht, sowie eine genau passende Wasserversorgung. Staunässe ist für den Spätburgunder ebenso schädlich, wie übermäßiger Trockenstreß.
Auch reagiert der Spätburgunder sehr empfindlich auf zu hohe Erträge – dann sinkt die Qualität schnell.
Die Beerenhäute des Spätburgunder sind relativ dünn. Dies bedeutet, daß eine hohe Farbintensität des erzeugten Weines nur erreicht werden kann, wenn in den einzelnen Beerenhäuten viel Extrakt eingelagert werden kann, was nur bei geringen Erträgen erreicht wird.
Beim Ausbau des Weines kommt es sehr auf die Kunstfertigkeit des Winzers an. Sowohl der Ausbau in Barriques, als auch der Ausbau im großen Holz, im Stahltank usw. sind möglich. Somit können aus Spätburgundertrauben stilistisch ganz unterschiedliche Weine entstehen, die aber dennoch eine gemeinsame Sortentypizität aufweisen.
Je nach Qualität sind die so erzeugten Weine teilweise auch sehr lange lagerfähig und entwickeln im Laufe ihrer Flaschenreife eine Vielzahl betörend schöner Aromen.

Vielseitig

Aber nicht nur für Rotweine ist der Spätburgunder eine wichtige Sorte. Gemeinsam mit Chardonnay und Pinot Meunier bildet der Spätburgunder das Rückgrat vieler Champagner. Nur diese drei Rebsorten sind für die Erzeugung von Champagner zugelassen.
Wird ein Champagner gar ausschließlich aus Spätburgunder erzeugt, trägt er auf dem Etikett zumeist die Bezeichnung „Blanc de Noir“.

Martin H. Geiger † im August 2005

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