Verwendung von Aromen in Lebensmitteln

Co-Cooker fragen sich: keine Konserve mehr ohne Aroma?

Wir Co-Cooker zählen wohl eher zu den bewussten Verbrauchern. So manches Gurkenglas wandert erst nach Studium des Kleingedruckten in den Einkaufskorb. Was dort zu lesen ist, erschreckt mich allerdings von Tag zu Tag mehr.

Wo leben wir, wenn es kaum noch eingelegte Gurken gibt, denen keine Aromastoffe zugesetzt werden? Welcher Dreck wird uns teuer in kleinen Gläsern als Meerrettich verkauft, wenn sogar schon Meerrettich aromatisiert werden muss?

Saure Gurken sind eigentlich nichts weiter als frische kleine Gürkchen, die zum Haltbarmachen in einer Essigmarinade erhitzt und eingedost werden. Der Geschmack wird hauptsächlich durch den verwendeten Essig sowie zugegebenen Kräutern (v.a. bei Gewürzgurken) bestimmt. Die Gurke an sich steuert vor allem die „Knackigkeit“ bei, die eine gute Saure Gurke ausmacht. Cornichons sind die französische Alternative aus besonders kleinen Gurken. Als weitere Spezialität sind Salzgurken zu nennen (die mag aber nicht jeder).

Was also hat Aroma im Gurkenglas zu suchen?

Meiner Meinung nach nichts. Guter Essig, frische Kräuter, kein Aroma. Ich lasse Saure Gurken mit Aromastoffen im Regal stehen. Besonders bedenklich finde ich, dass gerade die Markführer ihre Produkte mit Aromen aufpeppen. Scheinbar sind ihnen gute Zutaten zu teuer… Im Nürnberger Raum gibt`s in einigen Märkten die sogenannte Regionaltheke, die leckere Sauerkonserven „wie von Großmutter eingekocht“ anbietet.

Und wie schaut`s beim Meerrettich aus?

Schlecht. Sehr schlecht. Die Verwendung von Aromen beim Meerrettich erscheint mir noch verachtenswerter als bei den harmlosen Gürkchen. Meerrettich ist der schärfste Vertreter der Rettichwurzeln. Will man selber frischen Meerrettich reiben, sollte man sich doch wenigstens eine Schwimmbrille (bei größeren Mengen besser eine Gasmaske) aufsetzen, um nicht in Tränen auszubrechen. Für den scharfen Geschmack und Geruch sind ätherische Öle, insbesondere Senföle, verantwortlich, die erst beim Schneiden/Reiben gebildet werden. Und die sind nunmal leicht flüchtig. Scheinbar verliert der Meerrettich bei der (schlampigen?) industriellen Herstellung so viel seines charakteristischen Geschmacks, dass auch Meerrettich mit Aroma aufgepeppt werden muss. Wie bei den Gurken, so verwenden vor allem die Marktführer Aromastoffe in ihren Meerrettichprodukten. Nicht nur im Sahnemeerrettich, auch im herkömmlichen geriebenen Meerrettich in Glas und Tube bleibt man von Chemie nicht verschont. Bei Senf schaut es nicht anders aus…

Kurzes Fazit:

Es lohnt sich wirklich, vor dem Kauf das Kleingedruckte von Fertigprodukten aufmerksam zu lesen. Ich persönlich lasse aromatisierte Produkt im Regal stehen. Lieber keine Gewürzgurken als mit Aroma aufgeplusterte grüne Etwasse.
Lieber auf dem Balkon selbst geriebener Kren als Meerrettichfasern mit Aroma.


Für weitere Informationen verweise ich gerne nicht nur auf „neutrale“ Internetseiten sondern auch auf die Konserven-Marktführer, die dank der Gesetzgebung Aromastoffe deklarieren müssen.

Der Hersteller Kühne steht seiner Meinung nach für „zuverlässige Qualität, natürliche Zutaten, schmackhaft-gesunde Produkte“. Leider zu oft mit Aromen.
Der Hersteller Develey nennt sich „Senf & Feinkost GmbH“. Auch hier finden sich Aromen u.a. in Senfspezialitäten.
Der Hersteller Hengstenberg stellt sich selbst die Frage, warum
„Gewürzgurken und andere Sauerkonserven unter Verwendung natürlicher Aromen hergestellt“
werden. Hengstenberg möchte dem Verbraucher „stets eine gleichbleibende und standardisierte Qualität anbieten“, wozu nunmal Aromastoffe benötigt werden, die „durch physikalische, enzymatische oder mikrobiologische Verfahren aus pflanzlichen oder tierischen Produkten gewonnen“ werden. Schließlich unterliegen „Naturgewürze (…) oftmals sehr starken Schwankungen in ihrer Geruchs- und Geschmacksintensität“. Ach ne. Dill sollte man nunmal nicht im Winter pflücken… Lieber verwendet man Aromen, die in Biotech-Anlagen aus pflanzlichen Produkten (Gras? Rinde? Algen?) über mehr oder weniger chemische oder biotechnologische Verfahren (Bakterien? Enzyme?) hergestellt werden. Na dann Prost Mahlzeit…

Wer noch mehr wissen möchte, wird beim Deutschen Verband der Aromenindustrie bestens über alles rund ums Thema Aromen im Essen informiert.
Ein Beispiel der sehr informativen (und unterhaltsamen) Texte: „Wo das Hühnchen auf dem Glas mit Instantbrühe prangt, ist oft kaum Geflügel drin. Erst das im Labor kreierte Geflügelaroma verhilft den Sinnen zum Geschmackserlebnis Hühnersuppe. Nicht anders ist es beim Joghurt, der mit reifen Erdbeeren auf dem Becher fruchtigen Genuss verspricht. Wer das Produkt löffelt, wird geschmacklich nicht enttäuscht. Doch was als besonders erdbeerig Gaumen und Nase verwöhnt, stammt nicht aus den sieben Prozent Fruchtanteil, sondern aus Wurzeln und Rinden aromatischer Hölzer – oder aus chemischer Synthese. ‚Die Natur ist unser Vorbild‘, betont Armin Hohler und lässt an tiefrote Erdbeeren auf besonnten Feldern denken. Doch der Mann untertreibt: Die natürlichen und naturidentischen Aromen haben Vorzüge, die der gemeinen Felderdbeere fehlen. Die ist ein Sensibelchen: Kaum aufgeschnitten, geht ihr Aroma flöten. Püriert wird sie zu Karamellpampe, tiefgekühlt zum geschmacksneutralen Klumpen. Die Erdbeere widersetzt sich ihrer Verarbeitung zu Joghurt, Marmelade und Eis. Sie versagt bei allem, was man wünscht: Haltbarkeit, intensiver Geschmack, niedriger Preis und ständige Verfügbarkeit.“
Oh Erdbeere, du Königin der süßen Früchte, solltest du wirklich ein Versager sein?


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Wer sich näher über Ernährung und die Produkte der Lebensmittelindustrie informieren möchte, für den habe ich hier einige Buchempfehlungen zusammengestellt, die ihr natürlich auch über unseren Werbepartner AMAZON bestellen könnt:

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