Gentechnik im Essen

Ja ja, die Milch macht`s
oder: wen interessiert Gen-Mais in der Kuh?

Seit April diesen Jahres müssen Lebensmittel gekennzeichnet sein, wenn sie genmanipulierte Stoffe enthalten. Das finde ich ganz in Ordnung, schließlich will der mündige Verbraucher hierzulande selbst entscheiden, welche Stoffe er seinem Verdauungstrakt zuführt. Wurde allerdings das genmanipulierte Material schon einen Schritt vorher in die Nahrungskette eingebracht, so ist das laut aktueller Gesetzeslage für den Verbraucher uninteressant und bedarf keiner Kennzeichnung. Diese Tatsache ist mir persönlich sehr zuwider, schließlich will ich wissen, was (und wessen Patent) ich esse. Doch was hat es sonst auf sich mit der Gentechnik? Ist genmanipuliertes Essen nun gesundheitsschädlich/unbedenklich/verdauungsfördernd oder sonst irgendwas oder auch nicht?!?

Warum ich Gentechnik in Nahrungsmitteln (und auch in Nahrungsmittel produzierenden Tieren) ablehne:

Ein Bauer kauft Saatgut ein, um seinen Acker zu bestellen. Die Samen keimen, leider wächst auch ein wenig Unkraut. Er sprüht ein bisschen Chemie, und schon gehen ungewollte Pflänzchen dahin und die ausgebrachte Saat steht auf dem Acker in voller Pracht. Die Erntezeit rückt näher und unser Bauer freut sich über den hohen Ertrag auf seinem Feld. Der Mähdrescher bringt die Ernte ein, der Bauer verkauft einen Großteil und behält etwas zur Aussaat im nächsten Frühjahr ein.

Stopp.

Das war gestern.

Und so geht`s heute:

Unser Bauer muss jedes Jahr neues Getreide zur Aussaat einkaufen. Warum? Nun, das genmanipuliert Erbgut der Pflanzen ist patentiert. Entweder unser Bauer kauft es jährlich vom Patentinhaber ein, oder er entrichtet eine Schutzgebühr, um sein eigenes geerntetes Getreide im kommenden Jahr aussähen zu dürfen. Jedes Jahr begibt sich der Bauer in die Abhängigkeit des Konzerns, der die Genmanipulation patentiert hat. Anstatt einfach sein geerntetes Getreide aussähen zu können, ist unser Bauer auf das Wohlwollen des Konzerns angewiesen, der die Preise für „sein“ (?) Getreide festsetzt.

Das Feld des Bauers ist inmitten der freien Natur, links und rechts umgrenzt von Feldern anderer Bauern. Und die bauen (noch) konventionelles Getreide an. Den Bienchen, Hummeln und anderen Insekten ist das aber ziemlich egal. Sie fliegen von Blümchen zu Blümchen, von Blüte zu Blüte, egal ob genmanipuliert oder nicht. Als Mitbringsel haben sie Pollen der manipulierten Pflanzen im Gepäck. Mutter Natur ist das ganz gleich, Mais und Mais gesellt sich gern und schon haben wir eine Genübertragung von einer ursprünglich manipulierten auf eine ursprünglich herkömmliche Pflanze.

Wen interessiert das jetzt, werdet Ihr fragen. Baut der benachbarte Bauer beispielsweise nach Bio-Kriterien an, so kann er seine Ernte (und sich gleich mit) verbrennen lassen: Bio-Getreide, in dem gentechnisch verändertes Erbgut nachgewiesen wird, ist wertlos, die Existenz des Bauers vernichtet. Die neu entwickelten Gene sind bekanntermaßen patentrechtlich geschützt: Wird das so geschützte Gen im Getreide des Nachbarn nachgewiesen, so muss dieser an den Patentinhaber für die Verwendung der geschützten Gene zahlen. Und das alles nur wegen der Bienchen und Blümchen? Einen wirksamen Schutz vor der Verbreitung des neuen genetischen Materials gibt es nicht! Nur unter Laborbedingungen, nicht aber in der Natur, kann die Ausbreitung kontrolliert werden.

Warum wird das genmanipulierte Zeugs überhaupt angebaut? Ganz einfach: die meisten Genmanipulationen dienen dazu, den Profit eines Konzerns zu erhöhen. Saatgut wird gezielt genetisch verändert, um eine Resistenz gegen z. B. Unkrautvernichtungsmittel zu erzielen. Neben dem neuen Saatgut wird gleich das Herbizid mitverkauft. Unser Bauer kann also auf seinem Acker gezielt Chemie einsetzen, um alle Pflanzen außer dem manipulierten Saatgut zu vernichten. Praktisch, oder? Der Konzern hat den Vorteil, nicht nur Saatgut (und das wie oben erwähnt regelmäßig jedes Jahr neu) sondern das passende Herbizid gleich mit zu verkaufen.

Allerdings dürfen wir Mutter Natur mit ihren Bienchen nicht vergessen. Ein Gentransfer kann nicht nur zwischen gleichartigen Pflanzen (wie zwei Maissorten) erfolgen, sondern auch die Grenzen der einzelnen Spezies überwinden. Warten wir einfach noch ein oder zwei Jahrzehnte ab, dann dürfte sich die Resistenz gegen Herbizide von der gewünschten Art (z. B. Mais) auch auf andere Arten (die ungeliebten Unkräuter) übertragen haben. Der erwünschte Effekt ist also dahin, herkömmliche Unkrautvernichtungsmittel verlieren ihre Wirkung, die nächste chemische Keule wird im Labor entwickelt und auf die Menschheit losgelassen werden.

Was kann ich (und jeder einzelne von uns) dagegen tun?

Achtet auf gekennzeichnete genmanipulierte Lebensmittel und lasst sie im Regal liegen. Schaltet Euer Hirn ein, wenn Ihr Lebensmittel kauft: die deutsche Durchschnittskuh, die uns dankenswerterweise mit Milch und nach Ablauf ihres harten Lebens auch mit Fleisch versorgt, bekommt heute schon (auch) genmanipuliertes Futter zu fressen. Nicht nur der Hamburger bei großen Fast Food Ketten, auch die Milch beim Discounter basiert somit auf genmanipulierten Erzeugnissen, ohne entsprechend gekennzeichnet sein zu müssen. Gutes Essen und Trinken hat einfach seinen Preis, absolut verlässlich ist zurzeit nur das offizielle Bio-Siegel.

Mir ist nicht nur wichtig, welche Qualität die Dinge haben die ich esse, sondern auch das, was meine „Vorgänger“ in der Nahrungskette zu fressen kriegen.

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Schlagworte: Gentechnik

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